Projekt "Migration und Selbsthilfe-Aktivierung"

Verschiedene Kulturen gehen mit Erkrankungen und Gesundheitsthemen unterschiedlich um. Neue Wege zur Selbsthilfe-Aktivierung von Migrantinnen und Migranten zu finden sowie die interkulturelle Kompetenz der Selbsthilfe-Kontaktstellen und Selbsthilfe-Organisationen auszubauen und nachhaltig zu stärken sind die Kernziele des Projekts "Migration und Selbsthilfeaktierung".

Unterschiedlicher Umgang von Erkrankungen und Gesundheitsthemen in anderen Kulturen

Die Teilnahme an einer Selbsthilfe-Gruppe wird von Migrantinnen und Migranten noch zu selten genutzt. In vielen Kulturkreisen ist Selbsthilfe als unterstützender Faktor in der Krankheitsbewältigung unbekannt. Neue Wege zur Selbsthilfe zu erproben und Impulse für eine kultursensible Selbsthilfe und Selbsthilfe-Unterstützung zu geben – das sind die Ziele des Projekts „Migration und Selbsthilfe-Aktivierung“. Das neue Projekt, das Anfang August unter dem Dach der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Projekte mbH (GSP) startete, ist auf ganz NRW ausgerichtet und soll bestehende Angebote bündeln und sichtbar machen. Es schließt an erfolgreiche Modellvorhaben und Aktivitäten der Selbsthilfe-Unterstützung, der Selbsthilfe-Organisationen und der Gesetzlichen Krankenkassen aus den letzten Jahren an: In mehreren Modellprojekten wurden bereits neue Zugänge und Begegnungen zwischen Selbsthilfe und Migrantinnen und Migranten erprobt.

Nachfrage nach interkulturellen Selbsthilfe-Gruppen steigt
Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Selbsthilfe baut Brücken“, bei dem mithilfe einer türkischsprachigen DVD Sprachbarrieren überwunden und Informationen zur Selbsthilfe zielgruppengenau aufbereitet worden sind. So konnten neue muttersprachliche oder zweisprachige Selbsthilfe-Gruppen entstehen, denn die Nachfrage von Menschen mit Migrationshintergrund zu Teilnahme an Selbsthilfe-Gruppen nimmt in NRW stetig zu. Im neuen Projekt „Migration und Selbsthilfe-Aktivierung“ sind Begegnungen auf verschiedensten Ebenen vorgesehen. Das Thema interkulturelle Öffnung für eine kultursensible Selbsthilfe und Selbsthilfe-Unterstützung steht dabei im Vordergrund.

Praxisnahe Umsetzung an verschiedenen Standorten
Am Modellstandort Duisburg liegt der Fokus auf der Selbsthilfe-Aktivierung von türkischsprachigen Migrantinnen und Migranten, in Bielefeld wird die Selbsthilfe-Kontaktstelle die Gruppengründungen für Menschen mit russischem Migrationshintergrund ausbauen. Übergeordnete Aufgabenstellung beider Modellstandorte ist es, vor Ort exemplarisch Methoden der aktivierenden Ansprache und Unterstützung der Selbsthilfe zu erproben und umzusetzen. Die Selbsthilfe-Kontaktstellen in Dortmund, Essen, Gelsenkirchen, Mönchengladbach und Warendorf bauen ihre eigenen Aktivitäten weiter aus. Darüber hinaus übernehmen sie den Wissenstransfer in die Regionen, damit alle Selbsthilfe-Unterstützungsstellen in NRW miteinbezogen sind. Praxisorientierte vorhandene und neue Maßnahmen der Selbsthilfe-Aktivierung sollen dabei verankert werden. Entstehen soll eine Art Handbuch, das die Vorgehensweisen nachvollziehbar dokumentiert.

Kreatives und unkonventionelles Denken ist gefragt
Warum nicht mal

  • die Anfangszeiten einer Selbsthilfe-Gruppe unorthodox gestalten?
  • Selbsthilfe nur für einen überschaubaren Zeitraum anbieten? („Wir treffen uns zehnmal und dann sehen wir weiter.“)
  • das Gruppentreffen über alltägliche Themen oder kulturell übliche Aktivitäten beginnen, statt mit dem üblichen „Blitzlicht“?
  • die Gruppe zweisprachig anbieten und so über den „Tellerrand“ blicken?

Interkulturelle Kompetenzen und Netzwerke aufbauen
Das Projekt möchte den Ausbau von Begegnungen zwischen bestehenden Selbsthilfe-Gruppen und Migrantinnen und Migranten fördern, den Selbsthilfe-Kontaktstellen und auch Selbsthilfe-Gruppen interkulturelle Kompetenzen vermitteln und so die Entwicklung zu einer offenen, interkulturellen Gesellschaft voran bringen. Die Gesundheitsselbsthilfe NRW mit ihren Landesverbänden der Selbsthilfe sowie die Selbstorganisationen der Migrantinnen und Migranten werden dabei aktiv miteinbezogen, um das gewünschte Netzwerk aufzubauen. Eine Projektleitung unterstützt die Standorte fachlich in ihrer Arbeit und kooperiert mit den Verbänden und Kontaktstellen. Diese Aufgabe hat Dorothée Köllner übernommen, die bisher unter anderem die Selbsthilfe-Kontaktstelle Bochum leitete.

Finanzielle Unterstützung verschiedener Projektpartner
Das Projekt „Migration und Selbsthilfeaktivierung“ wird vom MGEPA (Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW), von der AOK NordWest und der AOK Rheinland/Hamburg sowie vom Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW gefördert. Projektträger ist die GSP (Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Projekte mbH) des Paritätischen NRW. Weitere Projektpartner und Akteure sind die KOSKON (Koordination für die Selbsthilfe-Unterstützung NRW), die Gesundheitsselbsthilfe NRW des Paritätischen NRW, Migrantenorganisationen und der Arbeitskreis „Interkulturelle Öffnung der Selbsthilfe-Kontaktstellen“.

Projektbüro
GSP - Gemeinnützige Gesellschaft für soziale Projekte mbH
Migration und Selbsthilfeaktivierung
Dorothée Köllner
Kortumstr. 145
44787 Bochum
Tel: 0234/955488-16
E-Mail: koellner@remove-this.sozialeprojekte.de