Im Schatten der Flasche - erste Hilfe für Angehörige von Alkoholkranken

In Deutschland leben ca. 10 bis 15 Millionen Angehörige von einem Menschen, der zu viel Alkohol trinkt. Für Eheleute, Partner/-innen, Kinder, Freundinnen oder Freunde gibt es bisher zu wenig Hilfsangebote – vor allem unabhängig davon, ob der Alkoholerkrankte sich behandeln lässt oder nicht.

chatten von Flasche und Mensch an der Wand

Foto: MagMos/iStock by Getty Images

Daher haben die Suchttherapeutin Michaela Kirmes und Roger Kussek, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, als erste Hilfestellung die Broschüre „Im Schatten der Flasche“ veröffentlicht. Beide sind am Zentrum für Trauma- und Konfliktmanagement (ZTK) GmbH in Köln tätig und arbeiten seit vielen Jahren mit suchtkranken Menschen und deren Angehörigen.

„Trinkt jemand über einen längeren Zeitraum zu viel, sorgen sich die Angehörigen, leiden darunter und wollen helfen“, erklärt Michaela Kirmes. „Sie übernehmen die Verantwortung im Alltag und fangen mit viel Kraftaufwand die Alkoholprobleme des Betroffenen auf.“ Das geht auf Kosten der eigenen Gesundheit: psychosomatische Erkrankungen bis hin zu schweren Depressionen sind häufig die Folge.

Scham, Schuldgefühle oder fehlende Informationen verhindern, dass sich Angehörige selbst Unterstützung suchen. „Das Entscheidende ist, dass Angehörige lernen, sich von der Erkrankung abzugrenzen und sich wieder unabhängig vom Trinken des Anderen wahrzunehmen. Dass sie die Verantwortung für sich selbst und ihr eigenes Wohlbefinden übernehmen.“ Wie der Weg dahin aussehen kann, will die Broschüre aufzeigen.

Denn trotz vielversprechender Ansätze werden dem Suchthilfesystem für die Angehörigenarbeit kaum finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. „Dazu kommt, dass Angehörige zeitweilig als hinderlich in der Beratung oder Therapie des Betroffenen erlebt werden“, beschreibt Roger Kussek. Doch auch wenn die Angehörigenarbeit Zeit koste, die in Praxis und Klinik immer knapper wird, könnten Ärzte und Therapeuten von der Perspektive des Partners, Zusatzinformationen oder Rückmeldungen über den Behandlungsverlauf profitieren.

Die 40-seitige Broschüre ist vor allem für Angehörige geschrieben, sie will aber auch Fachkräfte und Interessierte in ihrer Arbeit mit diesen Menschen unterstützen. Die Publikation eignet sich daher auch als Infomaterial für Beratungsstellen, Kliniken, Ärzte, Selbsthilfe-Gruppen und Ehrenamtliche. Infos zu den Bestellmöglichkeiten der Broschüre finden Sie hier:
Homepage Zentrum für Trauma- und Konfliktmanagement (ZTK) GmbH

Das Interview mit Michaela Kirmes und Roger Kussek zu der Problematik und den Beweggründen für die Broschüre "Im Schatten der Flasche" können Sie in der beigefügten Datei nachlesen:
Interview Kirmes/Kussek (PDF-Datei)