„Für sich selbst sorgen“ – Der Beitrag der Selbsthilfe zur Bürgergesellschaft


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„Für sich selbst sorgen“ – Der Beitrag der Selbsthilfe zur Bürgergesellschaft

 

Die gegenwärtige Diskussion zum Bürgerengagement ist geprägt von Begriffen, die den Eindruck erwecken könnten, die Selbsthilfe (in Selbsthilfegruppen) ist hier ein wenig ins Abseits geraten.
Ist die Phase der Selbsthilfe(bewegung) hinter uns, überwunden als eine - wenn auch notwendige und hilfreiche - Stufe hin zu einer „Weiterentwicklung“ des Engagements, dem Bürgerengagement als Freiwilligenarbeit? 

Die Fakten sind anders:
Millionen von Menschen engagieren sich - auch weiterhin - in Selbsthilfegruppen und Selbsthilfeorganisationen; die Zahl wird auch zukünftig noch zunehmen.

Fakt ist auch:
Die Selbsthilfe hat zum Entstehen und zur inhaltlichen Ausrichtung der aktuellen Diskussion um Bürgerengagement und Bürgergesellschaft wesentlich beigetragen
und für zentrale Punkte den Boden bereitet. Die Diskussion zum Bürgerengagement ist auch eine Diskussion der Selbsthilfebewegung, deren Beitrag ist von hohem Wert, von besonderer Qualität.

Als „inzwischen bewährtes Lernfeld in gesellschaftlicher Selbstorganisation“ sieht mit Recht Heiner Keupp den Selbsthilfebereich, welcher sich der Diskursrichtung Bürgerengagement „selbstbewusst öffnen sollte, ohne Sorge, dabei die eigene Identität zu verlieren. Gerade in einer Phase dramatischer gesellschaftlicher Veränderungen kommen alle gesellschaftlichen Handlungsbereiche auf den Prüfstand ihrer Zukunftsfähigkeit. Nach meiner Vermutung hat das Lern- und Handlungsfeld Selbsthilfe zukunftsfähige Erfahrungen zu bieten.“ (Keupp)

Selbsthilfe lebt das Spannungsfeld „Selbstsorge – Gemeinsinn“ exemplarisch vor.

Die Selbsthilfe hat für das Bürgerengagement und die Bürgergesellschaft eine „Mitgift parat“ (Wolfgang Thiel):

  • „Die soziale Nähe von Menschen in Gruppen ist von besonderer Intensität und eröffnet vielfältige Entwicklungschancen. Selbsthilfegruppen haben sich als eine neue Sozialform etabliert, die Selbstentfaltung und Selbstbestimmung ebenso ermöglicht wie Gemeinschaft, Solidarität, Rat, Trost, Unterstützung und Hilfe (...)
  • Die Selbsthilfe korrigiert die Sicht der Expert/innen. Sie ist eine wesentliche Ergänzung der professionellen Dienstleistungen, die nicht nur quantitative, sondern vor allem qualitative Mängel hat (...)“
  • „Das Engagement Betroffener ist von herausragender Bedeutung für eine demokratische Kultur. Selbsthilfegruppen streiten um Rechte, Ressourcen und um gesellschaftliche Anerkennung für ihre Problemstellung. Sie schaffen damit zugleich soziale/gesellschaftliche Bindung und Anerkennung wie demokratische Verantwortung und Beteiligung. Im Sozial- und Gesundheitswesen übernehmen sie Funktionen der Patient/innen- bzw. Konsument/innenvertretung.“

 


Eine ausführliche Darstellung bei:
Greiwe, Andreas: Selbstsorge und Gemeinsinn. Der Beitrag der Selbsthilfe zum Bürgerengagement; in: Blätter der Wohlfahrtspflege 11+12/2000, S. 260 – 263

 

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