Der "Nutzen" der ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe


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Der "Nutzen" der ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe

Im Juli 2005 wurde im Kreis Düren eine Befragung zur ehrenamtlichen Arbeit in der Selbsthilfe durchgeführt. Kirstin Fuß-Wölbert, die verantwortliche Mitarbeiterin vom Selbsthilfezentrum Düren, legt nun die interessanten Auswertungen vor.

„Viele SelbsthilfegruppensprecherInnen erwarten sicher schon mit Spannung die Ergebnisse zum ökonomischen Wert der Selbsthilfe! Nun hier sind sie:
Im Kreis Düren werden zur Zeit 113 Gruppen ehrenamtlich geleitet. Jede GruppensprecherIn leistet im Rahmen ihrer Tätigkeit durchschnittlich 37,16 Arbeitsstunden im Monat.
Dies bedeutet für alle GruppensprecherInnen im Kreis Düren eine Leistung von insgesamt 4199,08 ehrenamtlichen Arbeitsstunden im Monat.
Pro Jahr sind das 50 388,96 Stunden, die für andere geleistet werden.
Müsste man für diese Arbeit hauptamtliche Kräfte einstellen, wären damit 25,17 Arbeitsstellen geschaffen (Urlaubs- und Krankheitstage nicht eingerechnet).
Würden diese Arbeitskräfte nach BAT Vc entlohnt, kämen Kosten in Höhe von 58 029,94 € monatlich und 696 359,28 € im Jahr auf den Arbeitgeber zu!
Setzt man den Wert der ehrenamtlich geleisteten Arbeitszeit in Beziehung zum eingesetzten Kapital für die Selbsthilfeunterstützung (Finanzierung der Krankenkassen, des Landes und der Kommune), ergibt sich innerhalb eines Jahres der siebenfache Wert!
Aus jeder Stunde Unterstützungsleistung durch das Selbsthilfezentrum ergeben sich 16,78 Stunden zusätzliche Arbeitsleistung durch die GruppensprecherInnen.
Na, wenn das nicht von der Wirtschaftlichkeit der Selbsthilfearbeit überzeugt!

Dabei handelt es sich hier nur um den Nutzen, den man in konkreten Zahlen ausdrücken kann. Unbestritten, aber kaum messbar sind folgende Wirkungen der Selbsthilfe:

  • Diagnosen werden aufgrund der Öffentlichkeitsarbeit weitaus früher gestellt und damit Kosten vermieden,
  • Behandlungskosten verringern sich durch die gezieltere und kritischere Medikamenteneinnahme, gesundheitsbewussteres Verhalten, vermindertes „Ärzte-Shopping“ und die gezieltere Nutzung medizinischer Angebote,
  • kürzere Klinikaufenthalte und weniger Krankheitstage mindern ebenfalls die Behandlungskosten,
  • der Wiedereinstieg ins Berufsleben wird erleichtert,
  • somatische und psychische Beschwerden vermindern sich,
  • die Mitglieder von Selbsthilfegruppen zeigen eine größere Lebenszufriedenheit, zeigen mehr Selbstbewusstsein, eine größere Kommunikationsfähigkeit und sind nicht sozial isoliert,
  • Selbsthilfegruppen im Suchtbereich helfen, kostspielige Suchttherapien zu vermeiden,
  • das Frühberentungsrisiko sinkt durch die Aktivierung zu mehr Eigenverantwortlichkeit und Rehabilitationsangebote der Gruppen,
  • die Überlebensprognose ist günstiger,
  • Selbstmordversuche nehmen ab.

Die Befragung in Düren gab auch einen kleinen Einblick in die Tätigkeitsbereiche der SelbsthilfegruppensprecherInnen. Hier eine Auflistung der Tätigkeiten und der prozentuale Anteil an den insgesamt erbrachten ehrenamtlichen Arbeitsstunden:

  • Betreuung Betroffener:16,25%
  • Sonstiges (Internetseiten, Broschüren, Gruppenzeitung, Veranstaltungen, usw.): 15,74%
  • Durchführung der Gruppentreffen (z.B. Moderation): 13,19%
  • Besuch von Fortbildungen und Tagungen: 11,01%
  • Öffentlichkeitsarbeit: 7,78%
  • Inhaltliche Vorbereitung der Gruppentreffen: 7,35%
  • Finanzen, Anträge auf Förderung: 5,09%
  • Organisatorische Vorbereitung der Gruppentreffen: 4,98%
  • Gewinnung von Referenten für Gruppentreffen: 4,98%
  • Informationsaustausch mit anderen GruppensprecherInnen: 4,33%
  • Informationsaustausch mit Selbsthilfeorganisationen auf Landes- oder Bundesebene: 4,06%
  • Mitarbeit in Gremien: 3,96%
  • Austausch mit dem Selbsthilfezentrum: 2,45%

Diese Zahlen belegen deutlich, dass die Tätigkeit der SelbsthilfegruppensprecherInnen geprägt ist vom Dienst an Anderen, vom Einsatz für die Allgemeinheit.

Selbsthilfegruppen helfen nicht nur sich selbst, sondern erbringen einen unschätzbaren Beitrag für unser Gemeinwesen!

Weitere Informationen bei Kirstin Fuß-Wölbert vom Selbsthilfezentrum Düren.

 

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