Neu: Handbuch „In-Gang-Setzer – Selbsthilfe auf den Weg bringen“


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Neu: Handbuch „In-Gang-Setzer – Selbsthilfe auf den Weg bringen“

Die Anfangsphase in einer Selbsthilfegruppe empfinden viele Menschen als eine Zeit der Unsicherheit und Verletzbarkeit. Den an Selbsthilfe interessierten Personen fehlen oft die kommunikativen Fähigkeiten, um eine neue Gruppe auf den Weg zu bringen. Für viele Interessierte stellt deshalb eine Startbegleitung eine große Ermutigung dar. Es stellt sich die Frage, inwieweit es sinnvoll und möglich ist, eine Unterstützung anzubieten, die dem Gedanken der Selbsthilfe entspricht und nachhaltig zur Selbsthilfe aktiviert.

Seit 2007 wird in einem bundesweiten Projekt der Ansatz der In-Gang-Setzung erprobt. Mit dem nun vorgelegten Handbuch „In-Gang-Setzer – Selbsthilfe auf den Weg bringen“ wollen der Paritätische Nordrhein-Westfalen als Projektträger und die Betriebskrankenkassen (Bundesverband und BKK-Landesverband NORDWEST) als Förderer eine Zwischenbilanz zum Projekt ziehen, wichtige Erkenntnisse darlegen und aufzeigen, wie die Methode der In-Gang-Setzer zur nachhaltigen Aktivierung von Selbsthilfe beitragen kann.

In drei Projektphasen mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten wurden insgesamt 22 Kontaktstellen in sechs Bundesländern einbezogen, ca. 200 Personen sind inzwischen als In-Gang-Setzer geschult. Der Projektverlauf bestätigt die positiven Wirkungen des Ansatzes. In-Gang-Setzer® umschreibt ein methodisches Konzept der Unterstützung von Selbsthilfegruppen und ist markenrechtlich geschützt. Ausgangsthese: Mitglieder von Selbsthilfegruppen und mit Selbsthilfe vertraute Ehrenamtliche finden eine besondere, hilfreiche Akzeptanz bei den Menschen, die sich in einer Gruppe engagieren (möchten). In-Gang-Setzer sind ehrenamtliche MitarbeiterInnen von Selbsthilfe-Kontaktstellen:

  • Sie stehen zeitlich begrenzt den Selbsthilfegruppen zur Seite.
  • Sie unterstützen die TeilnehmerInnen dabei, als Gruppe zu einander zu finden und achten auf die Rahmenbedingungen.
  • An der inhaltlichen Arbeit der Gruppe beteiligen sie sich nicht.

Die Kontaktstelle vor Ort bietet den für eine In-Gang-Setzung infrage kommenden Gruppen diese neue Form der Hilfestellung an. Anwerbung, Auswahl und Begleitung der In-Gang-Setzer sind Aufgaben der Kontaktstelle, die Schulung der In-Gang-Setzer übernimmt die Projektleitung.

In-Gang-Setzer erhöhen die Chancen für ein stabiles Selbsthilfeengagement. Die Herausforderung besteht darin, sich hilfreich in den Gruppenprozess einzubringen, ohne sich einzumischen und Potenziale zu verschütten. Die In-Gang-Setzer dürfen sich daher nicht in den themenbezogenen Austausch einbringen; Inputs zum Anliegen der Gruppe (Angst, Multiple Sklerose etc.) sind strikt verboten! Die inhaltliche Abstinenz ist Schutz für die In-Gang-Setzer wie für die Gruppen. Die In-Gang-Setzung muss den Boden bereiten für eine Gruppe, die nach einer zeitlich begrenzten Begleitung selbstständig ihren eigenen Weg geht.

Es hat sich gezeigt, mit dieser Methode kann für viele Menschen der Zugang zur Selbsthilfe erleichtert werden:

  • Die Unterstützung durch In-Gang-Setzer hat sich insbesondere bewährt bei der Gründung von neuen Selbsthilfegruppen.
  • Die Methode eröffnet neue Möglichkeiten, wenn kein Initiator vorhanden aber der Bedarf nach einer neuen Selbsthilfegruppe offensichtlich ist.
  • Auch für bereits bestehende Gruppen, die zeitlich begrenzt eine Unterstützung wünschen, kann so eine neue Form der Hilfestellung angeboten werden.
  • Der Ansatz der In-Gang-Setzung kann außerdem ein Weg sein, „neuen“ Zielgruppen den Zugang zur Selbsthilfe zu erleichtern (MigrantInnen, jüngere Menschen).

In dem Handbuch werden auf 92 Seiten das Konzept der In-Gang-Setzer und die bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung des Projektes dargelegt. Es enthält viele Arbeitshilfen, Informationen und Anregungen für das Engagement in Selbsthilfegruppen, die auch außerhalb des Ansatzes der In-Gang-Setzung für Gruppen hilfreich sein können.

Das Kapitel I stellt das hinter dem Ansatz der In-Gang-Setzung stehende Konzept vor und verortet dessen fachliche Begründung in die aktuellen Diskussionen zur Selbsthilfe allgemein und speziell zur Selbsthilfeunterstützungsarbeit. Kapitel II beschreibt die Schlussfolgerungen, die aus den bisherigen Erfahrungen bei der Umsetzung des Projektes gemacht worden sind. Die formalen Vorgaben für eine Beteiligung am Projekt und die Standards für die zukünftige Qualifizierung der In-Gang-Setzer werden skizziert. Im Mittelpunkt des Handbuches steht die Qualifizierung der In-Gang-Setzer in Kapitel III. Es wird ein differenzierter Blick auf den Ablauf und die Inhalte der Schulungen für die In-Gang-Setzer ermöglicht. Am Projekt Interessierte können so die hinter diesem Ansatz stehende Haltung nachvollziehen. Abschließend bietet das Kapitel IV ergänzende Informationen zu den Projektbeteiligten und gibt weiterführende Hinweise.

Das Handbuch steht als Download auf der Homepage des Projektes: www.in-gang-setzer.de. Einzelne Exemplare des Handbuches können kostenfrei bestellt werden beim Bundesverband der BKK [Bestellung]. Per E-Mail kann das Handbuch bestellt werden unter: gesundheitsmedien@bkk-bv.de.

Mit Blick auf den aktuellen Wandel in der Selbsthilfe und in der Selbsthilfeunterstützung lautet das Motto des Projektes: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern, andere Windmühlen.“ (Chinesische Weisheit)

Mehr zum Handbuch sowie zum Download [hier].

Kontakt
Andreas Greiwe, Projektleiter
Der Paritätische Wohlfahrtsverband NRW
Dienstsitz: Friedrichstr. 1-2, 48282 Emsdetten
Tel.: (025 72) 95 35 66
in-gang-setzer@paritaet-nrw.org

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