Fachtagung „Selbsthilfe – über kulturelle Grenzen hinweg“


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Fachtagung „Selbsthilfe – über kulturelle Grenzen hinweg“

„Selbsthilfe – über kulturelle Grenzen hinweg“

Mit Mut zum Dialog können Barrieren abgebaut und die Zusammenarbeit von Menschen gestärkt werden. Passender hätte der Ort des Dialogs für die Fachtagung „Selbsthilfe – über kulturelle Grenzen hinweg“ des Modellprojektes „Gesundheitsselbsthilfe NRW und Migration“ am 21. April 2010 nicht sein können: Die Merkez-Moschee im Duisburger Stadtteil Marxloh ist eine interreligiöse Bildungs- und Begegnungsstätte, die den offenen Austausch zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen sucht. Die Veranstaltung war ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Arbeit der Gesundheitsselbsthilfe in Nordrhein-Westfalen.

Das Modellprojekt „Gesundheitsselbsthilfe NRW und Migration“ unter dem Dach des Paritätischen NRW wird unterstützt durch die AOK Rheinland/Hamburg und AOK Westfalen-Lippe. Vielfach fühlen sich Migranten, die die erschreckende Diagnose Krebs erhalten haben, in der Gesundheitsversorgung alleine gelassen. Mangelnde Sprachkenntnisse der deutschen Sprache treiben die Patienten tiefer in die Isolation. Dabei hält das deutsche Gesundheitssystem neben der klassischen, medizinischen Hilfe eine weitere, wesentliche Säule ganzheitlicher Betreuung bereit: die Gesundheitsselbsthilfe. Das Verständnis, dass es diese Unterstützung gebe, müsse, so Margrit Glattes von der AOK Rheinland/Hamburg, noch tiefer in die türkische Gemeinde getragen werden.

Das Projektteam unter der Leitung von Rita Januschewski und Umut Ezel hatte wochenlang fieberhaft daran gearbeitet, vielseitige Einblicke in die zahlreichen Angebote und die gemeinnützige Arbeit der Selbsthilfe NRW zu ermöglichen.

Nachdem Hans-Georg Crone-Erdmann, Landesvorstand des Paritätischen NRW, die Veranstaltung mit den Worten eröffnet hatte, die Gesundheitsversorgung müsse für alle Menschen gleich sein und über Kulturgrenzen hinweg bestehen, ließ es sich der Integrationsbeauftragte der nordrhein-westfälischen Landesregierung, Thomas Kufen, nicht nehmen, die Wichtigkeit der Veranstaltung zu unterstreichen. Ein zentraler Aspekt der Selbsthilfe sei es, so Kufen, für Menschen da zu sein und ihnen zuzuhören. Untersuchungen hätten ergeben, dass Migranten die staatlichen Angebote der Gesundheitshilfe viel zu selten wahrnehmen. Die Landesregierung werde daher die kulturelle Öffnung des Gesundheitssystems vorantreiben. In der ehrenamtlichen Selbsthilfearbeit gelte nämlich der uneigennützige Leitgedanke: „Für einen selbst, mit Anderen für Andere“.

Bestes Beispiel für den gelungenen, interkulturellen Austausch und die Selbsthilfearbeit für Migranten ist der von Aynur Celikdöven gegründete Selbsthilfeverein für krebskranke Kinder und Menschen in Deutschland, „Weg der Hoffnung NRW e.V.“. 2001 in Oberhausen von türkischen Eltern ins Leben gerufen, möchte dieser Verein in erster Linie eine seelische Unterstützung der krebskranken Kinder und deren Angehörige liefern. „Weg der Hoffnung“ ist in Nordrhein-Westfalen der erste von und für Migranten gegründete, überregionale Selbsthilfeverein und in dieser Form bis jetzt einzigartig. Mögen viele sich ein Beispiel an der ehrenamtlichen Arbeit von Aynur Celikdöven nehmen, die sich schon seit 23 Jahren mit der Diagnose Krebs, als betroffene Mutter, befassen muss.

Rund 150 interessierte Türken und Deutsche, Krebspatienten und Ärzte sowie Ehrenamtler aus dem Bereich der Gesundheitsselbsthilfe fanden sich am 21. April in der Merkez-Moschee ein, um die Vorteile und Notwendigkeit der Selbsthilfe für Migranten zu diskutieren, die in Nordrhein-Westfalen mit der erschreckenden Diagnose Krebs leben. Ziel der Veranstaltung war es, Informationen zum Modellprojekt bereit zu stellen, bei Migranten bestehende Ängste vor der ersten Kontaktaufnahme mit Selbsthilfegruppen zu beseitigen und interkulturelle Begegnungen zu schaffen.

Durch die Veranstaltung führte die vom WDR Fernsehen bekannte Journalistin Asli Sevindim. Die in Duisburg-Marxloh geborene und aufgewachsene Deutsch-Türkin war von der Wichtigkeit der Veranstaltung überzeugt. „Das Schönste ist, dass diese Selbsthilfe über kulturelle Grenzen hinweg arbeitet. Hier können sich Türken mit Deutschen austauschen, Kontakte knüpfen und sich gegenseitig Hilfestellung geben.“

Für drei Jahre ist dieses Modellprojekt zunächst angelegt, im April 2010 ist allerdings die Hälfte des Weges bereits zurückgelegt. Projektleiterin Rita Januschewski: „Es ist ein gewaltiges Gefühl zu sehen, wie weit wir mit unserer Arbeit gekommen sind. Dabei fühlt es sich so an, als hätten wir gerade erst begonnen. Die Reaktionen sind derart positiv, dass ich davon ausgehe, dass wir an diesem so wichtigen Projekt auch in Zukunft weiter tatkräftig arbeiten können.“ Eine Fortsetzung der Fachtagung ist für das kommende Jahr bereits in Planung.

Die Dokumentation der Fachtagung finden Sie hier zum Download.

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